Große Begeisterung mit GM Huschenbeth

21 Teilnehmer an Seminar und Simultan mit GM Niclas Huschenbeth. Escher (SV Königsjäger Süd-West) und Tschirschwitz Remis, Kuhn einziger Sieger.

Zwei Dutzend Schachfreunde fanden den Weg zum SG Lasker, als der zu einer besonderen Veranstaltung einlud: GM Niclas Huschenbeth, der Deutsche Meister von 2010, war zu Gast.

Den ersten Teil bildete ein Seminar zum Thema „Psychologie im Schach“. Huschenbeth kennt dieses Thema nicht nur als Schachspieler, sondern auch als studierter Psychologe. Und so lernten die Teilnehmer einiges über Einstellung, den richtigen Umgang mit Remisangeboten und so manche kleinen Tricks.

Nach einer kurzen Pause wurde es dann ernst. Einundzwanzig Spieler nahmen an den Simultanbrettern Platz. Die meisten waren natürlich Laskeraner, aber auch aus den umliegenden Vereinen und auch über das Internet fanden sich Teilnehmer.

Neunzehn Punkte konnte der Großmeister einfahren, dabei gelangen ihm auch einige sehenswerte Siege. Nicht ganz unerwartet war sein Remis gegen Clemens Escher vom SV Königsjäger Süd-West e.V., der mit einer ELO von 2230 der stärkste Spieler im Feld war. Schon überraschender das Remis gegen Stephan Tschirschwitz, der in gewohnter Kämpfermanier in schlechter Stellung noch kämpfte und durch den tatsächlich folgenden Fehler seines Gegners belohnt wurde. Ähnliches widerfuhr Christian Kuhn, der den großmeisterlichen Fehler zum einzigen Sieg des Tages verwerten konnte.

Viele Teilnehmer waren von dieser Veranstaltung begeistert. Selbst in Berlin ist es keine alltägliche Gelegenheit, gegen einen prominenten Großmeister am Brett zu sitzen. Aber auch für das allgemeine Wohlfühlen wurde gesorgt. Die anwesenden Laskeraner haben sich ins Zeug gelegt und geholfen, den Spielsaal passend herzurichten, Kaffee zu kochen, Schnittchen zu belegen, Geld zu kassieren und auszugeben und hinterher den Saal wieder herzurichten. Ein ganz liebes Dankeschön an Barbara Pehnke, die zwar nicht mitgespielt, sich aber um die Versorgung mit Getränken, Keksen und Brötchen verdient gemacht hat.

Huschenbeth, Niclas (2548)    --    Spors, Carl Philip (1730)
Simultanveranstaltung bei SG Lasker  (1)   Steglitz, Berlin GER
2016.11.05     1-0     B99p

 

1.e4 c5 2.Nf3 d6 3.d4 cxd4 4.Nxd4 Nf6 5.Nc3 a6 6.Bg5

Beide Spieler zeigen durch die Eröffnungswahl hohe Kampfbereitschaft. Den Najdorf spielt man nicht, um dem stärkeren Spieler ein Remis abzuklammern, sondern um auf den ganzen Punkt zu spielen. Und 6. Lg5 ist die schärftste Variante.

6...e6 7.f4 Be7 8.Qf3 Nbd7

Der Najdorf verpflichtet aber auch. Man muss seine Theorie sehr genau kennen. Der ansonsten thematische Springerzug ist hier bereits ungenau.

9.O-O-O Qc7 10.g4 b5

Das gewohnte Bild. Schwarz spielt auf dem Damenflügel gegen den lang rochierten König, Weiß kommt im Zentrum und auf dem Königsflügel, auf den Schwarz erst rochiert, wenn er den Königsturm im Angriff braucht.

11.Bxf6 Bxf6?

Der erste ernste Fehler. Weiß kommt nun zu einem schönen Opfer, durch das alle seine Figuren harmonisch zusammenwirken, während die d-Linie geöffnet wird. Schwarz kann den geöffneten Damenflügel nicht mehr ausnutzen, er ist mehr mit Verteidigungsaufgaben beschäftigt.
( 11...Nxf6 )

12.Bxb5 axb5

Die Annahme des Opfers verliert die Partie. Bei Ablehnung steht Schwarz schlechter, hat aber noch Initiative und ist zumindest in der Simultansituation nicht chancenlos:
( 12...Rb8 13.Bxd7+ Bxd7 14.Nde2 Qb6 )

13.Ndxb5 Qb8 14.Nxd6+ Ke7 15.e5 Bh4 16.g5 g6 17.Rd2 h6 18.Rhd1 Nb6 19.Qc6 hxg5 20.Qc5

Der Großmeister wählt das Matt in sechs Zügen anstelle des Vierzügers.
( 20.Nf5+ gxf5 21.Qc5+ Qd6 22.Qxd6+ Ke8 23.Qd8# )

20...Nd5 21.Rxd5 exd5 22.Nf5+ 1-0


Huschenbeth, Niclas (2548)    --    Tschirschwitz, Stephan (1564)
Simultanveranstaltung bei SG Lasker  (1)   Steg
2016.11.05     1/2-1/2

 

1.e4 c5 2.Nf3 Nc6 3.d4 cxd4 4.Nxd4 a6 5.c4 e6 6.Nc3 Nf6 7.Nxc6 bxc6 8.e5 Ng8 9.Bd3 g6 10.O-O Nh6 11.Ne4 Bg7 12.Bg5 Qc7 13.Nd6+ Kf8 14.Bxh6 Bxh6 15.Qf3 f5 16.g4 Qd8 17.gxf5 Qg5+ 18.Kh1 Qf4 19.Qh3 exf5 20.Bxf5 Bg7

Bis hierhin ein typischer Verlauf einer Partie eines Großmeisters gegen einen tausend Wertungspunkte schwächeren Spieler: Weiß steht überlegen, hat erst einen Bauern mehr, aber dafür Entwicklungsvorsprung, Initiative, den Springervorposten auf d6, viel Raum für die Türme, während Schwarz sich kaum rühren kann, die Dame auf f4 eher abgeschnitten als aktiv steht, die Läufer selbst keine Felder haben und dafür die Türme eingesperrt sind ... nur noch eine Frage der Zeit. Die unsichere weiße Königsstellung wird nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Schwarz hat keine Möglichkeit, sie auszunutzen. Außer ...

21.Bxd7

Ein typischer Simultan-Fehler. Im Bestreben, die einfache Stellung schnell und ohne Aufwand zu beenden, übersieht Weiß ein paar wichtige strategische Dinge. Durch den Abtausch werden die schwarzen Figuren plötzlich lebendig.

21...Bxd7 22.e6

( 22.Qxd7 Bxe5 23.Qh3 Bxd6 verläuft ähnlich wie die Partie. )

22...Bxe6 23.Qxe6 Be5 24.Kg2 Bxd6 25.Rad1 Qxh2+ 26.Kf3 Qf4+ 27.Kg2 Qh2+

Und Weiß durfte sich freuen, dass sein Gegner die Verwicklungen in klar gewonnener Stellung fürchtete und sich mit dem Remis durch Dauerschach zufrieden gab.

1/2-1/2


Huschenbeth, Niclas (2548)    --    Kuhn, Christian Helmut (2019)
Simultanveranstaltung bei SG Lasker  (1)   Steglitz, Berlin GER
2016.11.05     0-1     C43m

 

1.e4 e5 2.Nf3 Nf6 3.d4 Nxe4 4.Bd3 d5 5.Nxe5 Bd6 6.O-O O-O 7.Nd2

Bis hierhin Theorie.

7...f6?? 8.Nxe4 dxe4 9.Bc4+

Den hatte ich bei f6 nicht gesehen. Nun gewinnt Weiß die Qualität, hat Königsangriff, und Schwarz hat keine Züge. Weiß erhöht den Druck und sammelt gelegentlich weitere Bauern ein. Theoretisch.

9...Kh8 10.Nf7+ Rxf7 11.Bxf7 Qe7 12.Qh5 g5 13.h4 gxh4 14.Bh6 Nc6 15.Rae1 h3 16.Bg6??

Unklar ist, was genau Weiß übersehen hat. Das vermeintliche Opfer ist in Wahrheit ein Einsteller, der der Simultansituation geschuldet ist. Materiell ist die Stellung noch ausgeglichen. In konkreten Varianten ist sie aber schon für Schwarz gewonnen.

16...hxg6 17.Qxg6 Bd7?

Schwarz macht sich noch einmal das Leben schwer.
( [Stockfish 8 64] 26:-2.90 17...Nxd4 18.Qxe4 Qe5 19.Qxe5 fxe5 20.c3 Nf5 21.Bg5 Bd7 22.g3 Bb5 23.Kh2 Bxf1 24.Rxf1 Rg8 25.Bc1 Kg7 26.Kxh3 Kf6 27.Re1 a6 28.Rh1 e4 29.Kg2 e3 30.Bxe3 Nxe3+ 31.fxe3 Kf5 32.Kf3 Rxg3+ 33.Kf2 Rg8 34.Kf3 Ke6 35.Rh6+ Kd5 36.e4+ Kc4 37.Rh5 )
( [Stockfish 8 64] 26:-2.41 17...hxg2 18.Kxg2 Bg4 19.Rxe4 Bh5 20.Rxe7 Bxg6 21.Rg7 Bxc2 22.Rh1 Rg8 23.Rxg8+ Kxg8 24.Rh4 Ne7 25.f3 Kf7 26.Bd2 Ke6 27.Kf2 Bb1 28.a3 Bc2 29.Rh8 Kd5 30.Rf8 f5 31.Bb4 Bxb4 32.axb4 Kxd4 33.Ra8 a6 34.Ra7 )

18.Rxe4 Rg8 19.Qxg8+ Kxg8 20.Rxe7 Bxe7

Ebenfalls ungenau. Weiß kann noch kämpfen.
( [Stockfish 8 64] 28:-0.86 20...Nxe7 21.c4 Nf5 22.Be3 hxg2 23.Kxg2 Nh4+ 24.Kg1 Kf7 25.d5 b6 26.Rc1 Nf3+ 27.Kg2 Ne5 28.b3 Bg4 29.Ra1 Kg6 30.Kg3 Kf5 31.Bf4 Nxc4 32.Bxd6 Nxd6 33.f3 Bh5 34.Rc1 Nb5 35.a4 Nd4 )
( [Stockfish 8 64] 28:-0.61 20...h2+ 21.Kh1 Nxe7 22.Bc1 Kf7 23.c4 c6 24.b3 b5 25.Bb2 Be6 26.Rc1 Bf4 27.Rc3 Bf5 28.Rf3 Bd6 29. d5 Kg6 30.dxc6 bxc4 31.c7 cxb3 32.Rxb3 Bxc7 33.Rb7 Nd5 34.Rxa7 Bb6 35. Rb7 Bxf2 36.Kxh2 Be4 37.a4 )

21.c3 Bd6 22.Re1 Kf7 23.g3?

Der endgültige Fehler. Die Löcher auf dem Königsflügel ermöglichen den schwarzen Leichtfiguren ein Eindringen und damit einen Mattangriff, der mindestens zu entscheidendem Materialgewinn führt. Richtig wäre gewesen, die Bauernstruktur entweder unangetastet zu lassen oder den Bauern abzutauschen. In beiden Fällen wird Zentrum und Damenflügel mit Le3, Tc1 oder d1, b3 stabilisiert, und Schwarz hat noch viel Arbeit vor sich.

23...Ne7 24.Bc1 Nf5

( Diese Variante ist laut Engine noch eine Idee besser: [Stockfish 8 64] 34:-1.59 24...Bc6 25.Kh2 Bg2 26.Rg1 Kg6 27.Bd2 c6 28. Rxg2 hxg2 29.Kxg2 f5 30.c4 Ng8 31.Kf3 Nf6 32.a4 Ne4 33.Be1 a6 34.b4 Kf6 35.Ke3 Bc7 36.Ke2 Ke6 37.Ke3 Nd6 38.Kd3 b5 39.d5+ cxd5 40.cxb5 axb5 41.a5 Ne4 )

25.Kh2 Nh4 26.Re3 Bg4 27.Re4 f5 28.Re3 f4 29.Re4 Nf3+ 30.Kh1 Bf5 0-1


BMM - 1. Runde 8 von 15 Jugend-Sommeropen
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